Die Stunde der Stille

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Oct. 27, 18:04

Das Schlimmste, was einem Sender passieren kann, ist ein technischer Defekt, der das Senden verhindert. Knut Aufermanns Installation »Changing of the Guard« nimmt sich dieses Problems praktisch wie künstlerisch an und führt in angemessener Nonchalance zugleich ein »easy listening« (Not-)Programm ein, das man sich täglich von 12-13 Uhr in Aufermanns »Hour of Silence« zu Gemüte führen kann.

Vor etwa einer Woche tat ich das auch: Da war Stille. Und dann ein Brummen und etwas Feedback. Und wieder Stille.
Wie ich allerdings später erfahren sollte, war diese Stille k e i n e s w e g s Teil des Wächterprogramms, sondern allein der Instabilität meiner Internetverbindung geschuldet…

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Die Heimat von Aufermanns »Wachablösung« ist ein weiterer Turm Halles, nämlich der des vormaligen physikalischen Instituts, das zugleich auch Heimstatt der lokalen Amateurfunkvereinigung ist. Gemeinsam mit anderen Besuchern erklimme ich die Stufen zum Zimmer des »Wächters«.

Knut erklärt: »Es gibt eine Verbindung zwischen Computer und Studio. Diese Verbindung kann, wenn was schief geht oder im Studio was ausfällt, gekappt werden und dann senden wir Stille. Und das mögen die Leute im Radio nicht, und dafür gibt es ein Gerät, das prüft, wie lang diese Stille ist, und das schaltet dann ein Notprogramm ein. Bei kommerziellen Radios sind das oft nur 2,5 Sekunden, bei Radio Corax sind es 25 Sekunden und bei uns sind es zwei Minuten.«

Weiter oben dann der Raum der Funkamateure:

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Die teils freistehende Treppe zum Dach mit den Antennen habe ich mich nicht hoch getraut.
Karen Werner hat die Bilder gemacht 🙂

 

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Auf dem Rückweg fragte ich Knut, was er so mache während seiner »Ruhestunde«.

»Arbeiten«.

»Hm, ich dachte, vielleicht sitzt du nur da und hörst zu und tust mal nichts.« »Schön wär’s«, stimmt er zu, »aber dafür ist keine Zeit.«