Duo Infernal

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22. Okt, 11:15, den 20. Okt erinnernd um 19:20.

 

Das Websters »Dictionary« bietet folgende Bedeutungen ders Wortes »infernalisch« an:
1.
höllisch, teuflisch, diabolisch: ein teuflischer Plan.
2.
extrem störend, unangenehm, unerhört: infernalischer Lärm.

3.
der Hölle entstammend oder sie bewohnend.
4.
in der klassischen Mythologie: der Unterwelt verbunden oder ihr entstammend.

War Geerken’s & Don Moye’s Konzert im Hörsaal des Botanischen Gartens nun aber höllisch… oder war es himmlisch?
Es war definitiv unerhört überraschend, höllisch variationsreich und einem Himmel-(oder, für einige, einem Höllen-)reich verbunden, wo Musik jedwede freie Form annehmen darf, sei es in Gestalt von Zymbeln, Trommeln, Vogelpfeifen, Xylofonen, Tischharfen, asiatischen Flöten, selbst gebauten Daumenklavieren, Muschelknoten, Bongos, Gongs, Tischglocken, Bambusstöcken, Holztrompeten – und Radios.

Der Tisch, der die gesamte Breite des Raums einnahm, war vollständig von Instrumenten eingenommen (plus denen, die dahinter standen). Ich saß vorne und zählte auf einer Länge von etwa zwei Metern allein 22 verschiedene Klangobjekte.

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Die Musik war größtenteils perkussiv, beginnend mit einen dröhnenden Trommel-Duett, und vieles war den afrikanischen Wurzeln des Jazz verbunden. Allerdings entwuchsen diesen Wurzeln alle paar Minuten wundersam riesige musikalische Gewächse – Pflanzen mit wild gestreiften Blättern, üppigem Laub und farbenfrohen Blüten. Alle möglichen Farben und Formen waren vertreten: Blüten wie elegante Elefanten oder schleichende Tiger, stachlelige Büsche, die metallische Noten regneten, und dazwischen auch sehr zarte, zerbrechliche Pflanzen mit feinen Stängeln und winzigen gelben, rosanen und weißen Blüten.
Gemächlich schritten die zwei Männer den Tisch entlang und wechselten einander höchst entspannt im Traktieren der Instrumente und Klangobjekte ab. Die Luftwurzeln ihrer infernalischen Schöpfung umrankten die Mikrofone, verbanden sich mit den Auren der vom Publikum mitgebrachten Topfpflanzen, riefen unbeschreibliche Vibrationen im Körper hervon und sandten ihre sonischen Tentakel via Radiowellen weit in den Äther.