Gremlins unterm Geigenbogen 2: Howlround

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Loops sind seltsame Dinge… oder (eher vielleicht) Konzepte? Einerseits sind sie begrenzt, andererseits sind sie endlos. Einerseits beziehen sie sich auf den Mythos von der Wiederkehr des ewig Gleichen, andererseits – in der Modifikaion oder im Zerfall – zeigen sie sich als fortlaufend variierte Reihungen in einer Imitation von beinah schon physischen Prozessen.

Wenn ich mir vorstelle, mein Gehirn wäre ein empfängliches Magnetband und dass all die Infos, Klänge und Musiken einer Revolten-Konzertnacht darauf festgehalten würden, fände ich (so wie jetzt in diesem Moment), dass die Informationen des Folgetags – das zärtliche bis harsche Rauschen der Träume und der Nachklang der alltäglichen Rituale wie Haarekämmen oder Kaffeetrinken – bereits ihren Teil der Arbeit am Auslöschen oder gar Überspielen getan haben werden.

 

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Allerdings bleibt ja immer eine tiefere Schicht erhalten… und natürlich, als überraschende Zuflucht, der Rückgriff auf die B-Seite des Tonbands.

Robin the Fog und Chris Weaver (aka Howlround) hatten vor der Bühne eine große Bandmaschine aufgebaut sowie einen Tisch mit mehr Bandmaschinen und Mixern, hinter dem Weaver die Klänge ineinander biegend und wendend zu einer mehrschichtigen Klanglandschaft verwebte. Robin the Fog indessen zerrte und zog das Band aus dem Gerät und befestigte es in einen ständigen Hin und Her zwischen Bühne und Zuschauerraum an diversen Mikroständern. Ab und zu verhedderte er sich. Und enthedderte sich wieder, um Chris an den Knöpfen und Reglern beizustehen… alldieweil sich hell oder dunkel schleifende Drones aus den Lautsprechern ergossen.

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Einige klangen wie Unterwasser-Aufnahmen, manche wie Kurzwellenheuler, andere blieben gerade so wie eine unklare Ahnung unterhalb der Bewusstseinsschwelle. Gegen Ende des Konzerts türmte sich eine Serie stehender Wellen auf, langsam und eine nach der anderen, brachen in Zeitlupe… ein Showdown akustischer Phantome in epischer Auflösung.

Wenn sich das hier zu »untechnisch« liest, gibt es womöglich eine verlässlichere, wirklichkeitsnähere B-Seite des Gehirnmagnetbandes in Gestalt eines Auszugs aus dem Howlround-Radiogespräch im Anschluss an das Konzert mit Radio Corax…

 

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Nein, SORRY, die Aufnahme ist doch zu sehr von Lärm überlagert! Über kurz oder lang taucht das Interview bestimmt im Audioarchiv der Revolten auf.