Rock’n’Roll Station: Paulo Raposo

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9. Okt., 21:00

Zur Gruppe der Radia-Gründer und -Mitglieder, die am Wochenende hier ihre Konferenz abhielten, gehört auch Radiokünstler Paulo Raposo von Radio Zero in Lissabon. Zwar kannte ich ihn schon von einem Besuch seiner Heimatstadt Lissabon (der schönsten Stadt überhaupt), doch live sah ich ihn noch nie. Damals, 2014, zeigte er uns seine Lieblingsorte und verführte uns in eine Fado-Bar, in der die Künstler mitten zwischen den Menschen standen und sangen und die Worte und Melodien des Fado banden die Herzen in Endlosschleifen von Traurigkeit und Sehnsucht. Aber ich will hier nicht über den Fado schreiben, der ist wie die Radiokunst ein weites Feld und eine Wissenschaft für sich.

Raposos Perfomance erzeugte ein sehr poetisches Gefühl, das – so glaube ich – auch der Qualität und Tiefe seiner weichen Stimme entspringt. Basierend auf dem Song eines französischen Sängers und Songwriters schuf er eine Radioshow, die überzeugend und zerbrechlich zugleich war. Mehr (oder weniger) erklärt er in diesem kurzen Interview:

– Wie hast Du all das zusammengebracht?

Paulo: Ich hab keine Ahnung.

– Du hattest da ein Radio oben auf den Mikrofonständer montiert.

Ja. Das empfing die Frequenz der Radio Revolten, die ich dann wieder in mein Set einspeiste.
Die Idee zu diesem Stück kam von dem Lied „Rock’n‘Roll Station“, das der französische Musiker Jac Berrocal 1977 produzierte. Ich fand das toll, also beschloss ich, damit zu arbeiten. Grundsätzlich improvisiere ich alles. Alles, was ich sagte, war improvisiert, nur am Anfang sprach ich die Zeilen des Liedes auf portugiesisch, danach aber habe ich es in eine Art mystisches Ding verwandelt. (lacht)

Und es geht um diese Erinnerung, die Erinnerung (»Es war 1959 in der Sternwarte, erinnerst Du Dich …«) an seltsame Elemente, die unscharf bleiben im Flirren des Gedächtnisses. Ich benutzte auch verschiedene Raumklänge, die ich an Orten mit unterschiedlichen akustischen Eigenheiten aufgenommen habe, das bringt ebenfalls etwas Mystisches mit sich.

– Es war eine tolle Klanglandschaft. Und da war dieser Ort, der wie eine riesige Höhle klang … mit tropfenden Wassern.

Das war der Keller meines Hauses.

– Das muss ein großer Keller sein!

Nein nein, er ist wirklich klein, aber er hat eben diese Akustik, und so haben ich und Silvia …

Silvia: Ich habe die Kellerklänge aufgenommen.
P: Und die Wassertropfen stammen aus einem verlassenen Haus.

– Du hast es zusammengeführt: den Kellerklang, das Wasser …

Ja. Und dazu noch die Stille einer großen Kirche, nur deren Nachhall, ohne alles.

– Das zusammen war die Hintergrundkomposition?

Wie ich sagte, ich fügte verschiedene Sounds zusammen. Und deshalb… deshalb könnte man sagen, es war eine elektroakustisch aufgenommene Komposition, zu der ich mit meiner Stimme improvisierte.

– Im letzten Teil sagtest Du etwas über die Schatten … oder Schatten …

Ich kann mich an nichts von dem erinnern, was ich sagte. Echt nicht.

– Also ist alles verloren?

Silvia: Er sagte da, dass seine Stimme so etwas wie ein Fossil ist, dass auch sie ausstirbt, auch verschwindet.
Hmm. Es war einfach was, was aus mir herausfloß. Ich kann mich nicht mehr daran erinnern.

Übersetzung: Der Emil.

 

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