UKW erhellt Einsame: Tonic Train und der Funkamateur

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Fotos wie Standbilder aus einem Film, sei es dem »Kabinett des Dr. Caligari« oder einem anderen alten Mysterienfilm: Was die Fotografin oder »Bilder-Macherin« einer Szenerie entnimmt, hängt nicht immer klar mit der Musik des Konzerts zusammen.

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Also heute Abend – oder vorgestern, von heut aus gesehen – »Tonic Train und der Funkamateur«: (Tonic Train sind Sarah Washington und Knut Aufermann, Initatoren des Radio Revolten-Festivals). Ein Titel, der gut als Bandname durchginge. Der »Funkamateur« ist Bernd Kukielka, ein Morse-Spezialist, überzeugter Funker und auch ein Mitbegründer von Radio Corax.

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Beim Hören fühlte ich mich wie in ein akustisches »Dschungelbuch« (der Nordhalbkugel) gestürzt, jedoch eines, das dazu noch mit den Weltraum-Phantasien Jugendlicher angefüllt war. Ein anderer Zuhörer im Publikum fühlte sich wiederum an die Geräusche in einem Kaufhaus voller Menschen erinnert.

Meine Anmerkungen sagten Folgendes:
»Eulenflug + Russische Wellen + Morse-Code + Wildnis + raschelnde Kreaturen + Drama + Geisteswelt + gebrochene Federn + Blinken und Plingen + St. Exupery + Drohnenschwäne ++ Rohrdommeln +++«

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So körperlos die Musik auch daher kommt, vieles an ihr verdankt sich dem Fingerspitzengefühl der Musiker, als auch einer sehr bewussten Entscheidung darüber, was schließlich aus den Lautsprechern kommen soll.
Sieht es nicht aus, als bedienten diese Drei ein geheimnisvolles halborganisches System? Seht, wie ihre Fingerspitzen an den Reglern zittern, verfolgt die winzigen Bewegungen bei der Handhabung ihrer Geräte! Und warum nur hält der Bärtige da während fast der gesamten Zeit der Performance seine Hand über der Antenne eines kleinen Radios?

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»Tonic Train« ist eine alte und fast vergessene Bezeichnung für »stetig unterbrochene Wellen«. Tatsächlich dauert jedes ihrer Klangwellen-Arrangements für eine Weile an, wird indessen unterbrochen, permutiert und/oder ergänzt mit Morsesignalen, Radionachrichten, flatterndem, surrendem, quietschendem und summendem Abgehörten. Apropos »Permutationen«: Schnell gab ich die Worte »Aetherwellenmusik (ether wave music)« in den Anagrammgenerator ein – immer ein feiner Weg, die Worte hinter dem Wort (oder die Wellen hinter den Wellen) zu entdecken.

Übersetzung: Der Emil.

Aetherwellenmusik:
Humane Streikwelle (Human strike wave)
Weinkeltermühsal (Winepress hardship)
UKW erhellt Einsame (FM enlightens the lonely)

ether wave music:
mustache review (Schnurrbart-Inspektion)
active sewer hum (aktives Abflussrohrgebrumm)
chat revue muse (Zeitschriftenplauschmuse)

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