FM for Culture! Revolten-Künstler_innen beginnen ein Radio-Manifest

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Foto: Nastia Bessarabova

Im Oktober geht von Halle (Saale) eine Radio Revolte aus, die einen umfassenden Anspruch auf den UKW-Radio-Raum erhebt und für die nächste Dekade fordert: „FM for Culture“. Das Internationale Radiokunst-Festival Radio Revolten setzt den Anfangspunkt für eine kulturelle und künstlerische Besetzung der UKW-Frequenzen. 100 Radiokünstler_innen aus 17 Ländern demonstrieren einen Monat lang für die Relevanz des Mediums und schreiben gemeinsam ein Radio-Manifest, das die gesellschaftlich verankerten Funktionen von Radio infrage stellt. Schon vor dem Festival äußerten sich über 20 internationale Radiokünstlerinnen und -künstler wie Gregory Whitehead, Felix Kubin, Sarah Washington und Hartmut Geerken und erheben bereits erste Forderungen:

„Radio ist Öffentlichkeit, darum darf es sich nie am Massengeschmack orientieren. Verkaufszahlen und Einschaltquoten haben nichts mit Qualität zu tun. Qualität ist älter als seine Verpackung.“, sagt der Musiker, Performer elektronischer Musik und Hörspielmacher Felix Kubin (DE).

„Wie übertragen und empfangen wir Radio im Offenen über unsere akustischen Gewohnheiten, unseren akustischen Komfort hinaus? Wie kann Radio damit aufhören Fragen zu beantworten und Bedürfnisse zu befriedigen, wie kann Radio stattdessen unsere Antworten in Frage stellen, unsere Zufriedenheit durcheinander bringen?“, sagt der Klangkünstler und Komponist Emmanuel Madan (CA)

„Stellen wir uns vor und erschaffen, dann eine Radiokunst, die einer abgestumpften Gesellschaft ihre lebendige Vorstellungskraft zurückgibt“, sagt der Autor, Radio- und Hörspielmacher Gregory Whitehead (US)

„Die Möglichkeit neutrale Radiotechnik, wie Mikrofone, Aufnahme- und Übertragungsgeräte etc. zu benutzen, könnte Platz für eine runderneuerte Kommunikation in der Gesellschaft schaffen; natürlich nicht ohne zuvor die üblichen Weisen Radio zu machen – Sprechweisen, Moderation, Umgang mit Zeit und Dauer u.a. – einem kompletten Reset zu unterziehen.“, Marold Langer-Philippsen (DE), Radiokünstler, Musiker und Performer.

„[…] Radio as Space. Wo Programme auch aus Micro-Studios mit Smartphones live aus der ganzen Welt gesendet werden. Wo senden und streamen zwei verschiedene Kanäle sind und sich nicht lediglich duplizieren. Zeit für die außergewöhnliche Realität. […]“, sagt der italienische Komponist und Musik Roberto Paci Dalò (IT)

„weg mit dem unerträglichen deutschen radiosprachschatz. freier blick in die buchstabensuppe“, schreibt der Komponist, Hörspielmacher und Poet Hartmut Geerken (DE).

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Die Corax-Programmzeitung für Oktober ist ein Pre-Manifest