Unsichtbare Wellen im Stadtmuseum

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Foto: Bundesarchiv, Georg Pahl

2. Oktober – 8. Januar 2017

 

Öffnungszeiten: täglich 10 – 17 Uhr, montags geschlossen
Eintritt: 3 €

Unsichtbare Wellen
Zur Geschichte des Rundfunks und den Versuchen seiner Aneignung im Raum Halle

»Verehrte Unsichtbare«. Mit diesen Worten leitete Walter Benjamin in der Weimarer Republik einige seiner Rundfunksendungen ein. So wenig sichtbar die Hörenden für Benjamin, so wenig bekannt sind auch viele Aspekte der Ausstellung über das – nur scheinbar – vertraute Medium Hörfunk.

Um einige Beispiele zu nennen: Zu sehen und hören sind erstmalig Sammlungen von Tonaufnahmen und Aufzeichnungsgeräten des Halleschen Institutes für Sprechwissenschaften aus dem frühen 20. Jahrhundert, Nachweise zum nicht erhörten Ruf nach einem eigenen Sender für Arbeiter während der Weimarer Republik und zur Motivation von sogenannten »Rundfunkverbrechern« während des Nationalsozialismus – also Personen die »Feindsender« hörten und dafür in Halle verurteilt worden – , aber auch bisher unentdeckte Piratenradios zu Zeiten des »Realsozialismus«.

Die dabei offerierte Neubetrachtung ist mehr als die regionale Aufarbeitung der Radiogeschichte, sondern auch eine Auseinandersetzung mit der Situation von Kommunikation und Massenmedien und deren Produktions-Umgebungen unter den jeweiligen gesellschaftlichen Verhältnissen.

Gleichzeitig wird das Publikum zur Aneignung animiert: Frühe Tondokumente sind in authentischen Geräten hörbar, Mikrofone dieser Zeit im Selbstversuch erlebbar, Piratensender können selbst getestet werden.

Wesentlicher Bestandteil der Ausstellung ist auch eine Kollektion von Radioempfängern, die seines Gleichen sucht und mit der im Stadtmuseum eine Melange aus Bastlerstube, Wunderkammer und Werkstatt entsteht, in deren Rahmen sowohl Live-Radiosendungen, Workshops zum Bau von Sendern und Radios als auch Gespräche mit Zeitzeugen und Experten stattfinden werden (hier die Dokumentation der Interviews).

Kuratiert von Alex Körner und Ralf Wendt.

Finissage
Sonntag, 8. Januar, 14 Uhr
Programm und letzte Führung in der Sonderausstellung.