Needles and Pigs 1: Die Klangnäherin

Mary Stark singt ein Lied, während sie Schmalfilmschleifen an die zwischen den Lautsprechern aufgespannte Drahtleine klammert. Aus einer Generation von Textilarbeitern in Manchester stammend führt sie das Erbe ihrer Großmutter und ihrer Mutter mit künstlerischen Mitteln fort. Hinter ihr auf der Bühne steht eine beinahe historisch zu nennende silbergraue »Pfaff« auf einem Tisch. Mary Stark, Mitglied des Octopus Collective, nennt ihre Arbeit »Stitching Sound – Klangnähen«. Sie erzählt von dem unglaublichen Lärm, der die Werkhallen zu jener Zeit durchdrang und in dem die Frauen lange Stunden litten, und vom Verbot des Singens unter Androhung hoher Geldbußen oder gar von Entlassungen.

 

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Die Töne um uns herum beschwören die Geräuschkulisse von damals herauf: Das Schnurren von Filmprojektor und Nähmaschinenkeilriemen vermischt sich mit dem schneidenden Geräusch der den Film durchstechenden Nadel beim Nähen. Zwischendurch nimmt die Künstlerin Maß an Leuten aus dem Publikum, bewegt sich zwischen Nähtisch und Projektoren hin und her… meist sehen wir nur ihre Silhouette. Die ganze Szenerie ist Schimmer, Schatten und Bewegung.

Die projizierten Strukturen, die von den neu vernähten Filmstreifen auf die Spulen kommen, bilden rasend schnell sich bewegende Punkte, Maschen und schräge Quadrate. Ein Gefühl schleicht sich ein, als säßen wir in einem Leuchtkasten, auf den eine Fabriknymphe Dias in einer für unsere Augen zu hohen Geschwindigkeit projiziert. Am Ende erlischt das Licht.

Übersetzung: Der Emil.

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