Radiokunst?!

Knut Aufermann

Natürlich gibt es sie, die Radiokunst. Für jedes neue Medium entwickeln Künstlerinnen und Künstler spezifische, experimentelle Umgangsformen. Wir können also davon ausgehen, dass die Radiokunst weit über 100 Jahre alt ist. Allerdings ist die individuelle Ausbildung dieser eigenständigen Kunstform so unterschiedlich von Land zu Land und über die Zeiten hinweg, dass die Radiokunst nicht einfach als zusammenhängendes Genre wahrzunehmen ist. Die Persönlichkeiten der im Radiobereich meist autodidaktisch arbeitenden Künstlerinnen und Künstler sowie politische, gesellschaftliche und kommerzielle Gegebenheiten und Zwänge prägen die verschiedenen Formen, in denen sich die vom Radio inspirierte Kunst manifestiert. Wirte für die Kunstgattung sind nicht nur öffentlich-rechtliche, freie oder Piraten-Radios sondern auch Galerien, Museen, Biennalen, Clubs, Konzertsäle und der öffentliche Raum.
Die Radio Revolten im Jahr 2016 bieten den idealen Rahmen, alle Arten der zeitgenössischen Radiokunst auf die beste Art und Weise zu präsentieren. Dies passiert in Form eines einmonatigen Festivals, denn es braucht dazu viele geeignete Orte, Zeit und Zugang zum Radiospektrum. Alle diese Voraussetzungen sind in Halle in weltweit einmaliger Ausprägung gegeben.
Das international besetzte Kuratorium hat eine Mischung aus klassischen Beispielen und neuen Strömungen der Radiokunst für die Radio Revolten ausgewählt. Für das Publikum und für die lokale sowie auch die weltweit vernetzte Hörerschaft gibt es eine umfangreiche Auswahl an Performances, Installationen und ein rund um die Uhr sendendes UKW Festival-Radio. Für die Künstlerinnen und Künstler bietet das Festival eine Bühne und die seltene Gelegenheit zum persönlichen Dialog untereinander. Diese bislang unerreichte Dichte an Radiokunst an einem Ort erlaubt die eingehende Betrachtung und genaue Analyse dieser Kunstform, ein Nachvollziehen der Evolution und der Brüche zwischen den verschiedenen Arbeiten und das Reifen der Erkenntnis: Das alles ist Radiokunst.

Knut Aufermann, Künstlerischer Leiter