Braut der Radiokunst bleibt ihrem Liebling treu!

30. Okt. 20:30

»Something’s happening here but you don’t know what it is…« frei nach diesem Zitat schauen wir nach vorn auf die Bühne, wo ein Radio steht und belauschen eine Unterhaltung zwischen vier Personen (Lucinda Guy, Knut Aufermann, Chris Weaver, Elisabeth Zimmermann) über das Radio Revolten Festival, sein kurz bevorstehendes Ende, mögliche Zukunftsaussichten. Es werden Scherze gemacht und Gedanken spazieren geführt. Dazwischen erklingt immer wieder rhythmisches Schellenrasseln. Wir hören, wie diese Leute aufstehen, ihr Zeug zusammenräumen, das Studio verlassen. Wir hören sie die Treppen hinunterpoltern, die großen Türen öffnen und schließlich sehen wir sie in einer Prozession zu uns herein kommen, vorne weg Lucinda Guy ganz in Weiß.

radioguy
Ist sie eine Braut? Ja, so ist es! Frau Guy hat Mr. Radiokunst geheiratet, einen jungen Mann, sprühend vor Witz und Liebe zu den Künsten, mit einem Hang zu den Schönheiten des Lebens und einer Vision von einer offenen Gesellschaft, in der das kommunikative Miteinander von Respekt, Einbeziehung des anderen und Ehrlichkeit geprägt ist.

Aber ach! Der junge Mann wird eingezogen laut des Königs Gesetz und muss in dessen Armee dienen. Und seine Braut, die traurig bei den »Salzwellen« am Hallenser Gestade ihr Lied anhebt, singt von ihrer ungebrochenen Hoffnung auf seine Wiederkehr und ihre glückliche Zukunft.

 

guy

 

Guys schöne Stimme ergreift das Publikum, doch es wäre nicht sie und ihre Kunst, würden wir nicht eingeschlossen in ihr »Ritual for Radio Revolten«. Entgegen den Gepflogenheiten werden wir aufgefordert, unsere Mobiltelefone anzustellen, eine Nummer zu wählen und die Kanäle zu öffnen zu der Welt jenseits des Festivals.

Ich muss nun nicht sagen, dass meine Freundin am anderen Ende des Hörers entzückt war, oder?

Im Rückblick – und ja, ich weiß, dass ich sowieso abertausende Details vergessen habe zu erwähnen in der Beschreibung jedweder Performance – ist es seltsam: Obwohl es am Anfang aussah wie »Tja, hier ist bloß ein (ziemlich hässliches) Radio und wir hören hier nur zu«, sind es die Geräusche vom Anfang, die ich am besten erinnern kann. Die sich durch das Haus hindurch hörbar annäherenden KünstlerInnen, die die »Braut« in den Klub hinein begleiteten. Es war null spektakulär und doch fand ich dieses »Ritual des Übergangs« von Gespräch zu Aktion, von geschlossener Gruppe zu offener Gruppe, von in der Ferne Weilen zum Miteinander am berührendsten.

 

handsphones